Postkarten-Ausstellung macht Dorfgeschichte sichtbar

Borgholzer Synagoge: Vorträge zum jüdischen Erbe im Kreis Höxter

Über die Geschickte der Synagoge Borgholz und die Postkartenausstellung berichtete Rainer Mues vom Förderkreis der Synagoge. © Günter Schumacher

Borgholz. In der ehemaligen Synagoge von Borgholz steht derzeit nicht nur ein besonderes Gebäude im Mittelpunkt, sondern auch die Frage, wie Erinnerung lebendig bleibt. Bei einer Veranstaltung der BI Lebenswertes Bördeland & Diemeltal ging es um Lokalgeschichte und jüdisches Leben im Kreis Höxter – begleitet von einer Ausstellung historischer Ansichtskarten, die den Wandel des Dorfes dokumentiert.

Synagoge Borgholz einzige Erhaltene im Kreis Höxter

Die Synagoge Borgholz gilt als bauliche Ausnahme: Von einst 24 Synagogen und fünf Gebetsräumen im Kreis Höxter ist sie das einzige erhaltene Gebäude dieser Art. Rainer Mues, Vorsitzender des Vereins „Freundeskreis Synagoge Borgholz“, berichtete von der aufwendigen Sicherung und Sanierung. Dabei sei der Bestand bewusst erhalten worden – ohne fehlende Stellen zu ergänzen –, um die Authentizität des Ortes zu bewahren. Auch die wechselvolle Nutzung gehört zur Geschichte: Zeitweise diente das Haus als Scheune; dabei wurden bauliche Veränderungen vorgenommen, die das Erscheinungsbild deutlich prägten.

Die Synagoge Borgholz wurde im Jahr 1838 erbaut. Sie ist die letzte ihrer Art im Kreis Höxter. © Günter Schumacher

Stadt Borgentreich kauft Synagoge vor 30 Jahren

Dass die Synagoge heute überhaupt noch in Borgholz steht, ist einer Entscheidung aus der Kommunalpolitik zu verdanken: Vor rund 30 Jahren kaufte die Stadt das Gebäude und verhinderte damit Pläne, es vollständig an einen anderen Ort zu verbringen. Inzwischen wird die ehemalige Synagoge als Kultur- und Begegnungsort genutzt – für Ausstellungen, Konzerte und Versammlungen. Doch der Erhalt des empfindlichen Gebäudes bleibt eine Daueraufgabe. Um den aktuellen Zustand langfristig zu sichern und Schäden am speziellen Putz zu verhindern, sind nach Schätzungen mindestens 150.000 Euro erforderlich.

Postkarten-Ausstellung macht Geschichte sichtbar

Parallel dazu zeigte die Postkarten-Ausstellung, wie stark sich Infrastruktur und Alltag verändert haben. Die Motive halten Geschäfte, Gasthäuser, Marktplätze und Straßenansichten fest – und machen zugleich politische und gesellschaftliche Einschnitte sichtbar, etwa durch Umbenennungen im öffentlichen Raum. Oft sind es Details, die Besucherinnen und Besucher ins Gespräch bringen: Wer lebte in welchem Haus, welche Betriebe gab es – und was ist verschwunden? So werden die Karten zu visuellen und schriftlichen Zeitzeugnissen, die das „Gedächtnis des Dorfes“ anstoßen.

Nur 20 Juden kehrten in den Kreis zurück

Christoph Reichardt schilderte die Schicksale der Juden in Beverungen und im Kreis Höxter während der NS-Zeit. © Günter Schumacher

Inhaltlich reichte der Blick weit über die Ortsgrenzen hinaus. Ein Vortrag von Christoph Reichardt, BI-Vorstand und Stadtheimatpfleger von Brakel, zeichnete die Entwicklung jüdischer Gemeinden seit dem 19. Jahrhundert nach: von einer Blütezeit mit starker Verankerung im gesellschaftlichen Leben über Abwanderung und Assimilation bis zum Bruch ab 1933. Boykotte, Auswanderung und schließlich Deportationen ab 1941 führten zur fast vollständigen Vernichtung jüdischen Lebens in der Region. Aus dem Kreis Höxter wurden den Angaben zufolge über 263 Menschen deportiert; nur etwa 20 kehrten zurück.

Flyer mit Informationen zur BI und zum Förderkreis der Synagoge Borgholz. © Günter Schumacher